Als Montikind geboren, als Montikind gestorben, Montikind ein Leben lang!

Als Montikind geboren, als Montikind gestorben, Montikind ein Leben lang!

Ich habe mein Abitur bestanden! Und das nicht einfach irgendwie, sondern mit der Bestnote 1,0. Das hätte ich mir nie erträumt, als ich im September 2017 von der Ibis Grundschule Maria Montessori an das Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge wechselte. Vor Beginn der siebten Klasse musste ich mir immer wieder schlaue Sprüche von Erwachsenen anhören: Ich solle mich schon einmal auf die schlechten Noten am Gymnasium einstellen, die Anpassung an den Frontalunterricht würde mir sicherlich schwerfallen und ich würde viel Stoff nachholen müssen, um die „Wissenslücke“, die meine Zeit an der Montessori-Schule angeblich hinterlassen hätte, zu schließen. Bereits in den ersten Wochen am Gymnasium stellte sich heraus, dass all diese Behauptungen nur eins waren: Unsinn. Ich sammelte die ersten guten Noten und mein erstes Zeugnis am Gymnasium zeigte einen Durchschnitt von 1,4. So ging es weiter bis zur Bekanntgabe meiner Abiturergebnisse: 896 von 900 möglichen Punkten. 

Diese Zahlen, zähle ich hier nicht auf, um anzugeben, sondern weil ich überzeugt bin, dass auch die Prägung der Monti-Schule zu meinem schulischen Erfolg beigetragen hat. Es stimmt, dass ich bis heute nicht die sechszehn (Es sind doch sechzehn, oder?) Bundesländer mit Hauptstädten auswendig aufzählen kann, weil mich an meiner Grundschule nie jemand gezwungen hat, diese stur auswendig zu lernen, aber wenn Menschen dies als „Wissenslücke“ bezeichnen, sind sie meiner Meinung nach irgendwo im Bildungssystem des Kaiserreichs hängen geblieben.

Als Montikind geboren, als Montikind gestorben, Montikind ein Leben lang!

Im 21. Jahrhundert, in dem man wirklich alles ergooglen kann, wird Persönlichkeit immer wichtiger. Meine beste Freundin (auch ehemaliges Montikind) und ich könnten Stunden damit verbringen, in glücklichen Kindheitserinnerungen zu schwelgen, während sich Freund*innen von anderen Grundschulen daran erinnern, wie sie sich schon als Kinder den Kopf über schlechte Noten zerbrechen mussten. Ich musste das nie und hatte deshalb Zeit für die wichtigen Dinge im Leben: Freundschaften schließen, mich selbst entfalten und vor allem Spaß haben. Die Pädagog*innen der Montessori-Schule haben mich immer als komplexe Persönlichkeit angesehen. Sie haben mich wahrgenommen als verrückten, manchmal schüchternen, manchmal lauten Sturkopf. Ich habe mich immer gesehen, wertgeschätzt und behütet gefühlt. Dafür könnte ich heute nicht dankbarer sein. 

All die Zeit und Mühe, die in mich investiert wurde, hat sich ausgezahlt. Mir wurde geholfen, es selbst zu tun. Als ich noch Grundschülerin war, habe ich nie ganz verstanden, was dieses Motto bedeuten sollte, heute weiß ich es. Durch den Freiraum, der mir in einem jungen Alter bereits gegeben wurde, bin ich eigenständig geworden. Ich habe bereits in der Freiarbeit gelernt, mich zu organisieren und Prioritäten zu setzen, eine Stärke, die ich mir immer noch zuschreibe. Meine Lehrer*innen haben mir geholfen, meine Stärken und Schwächen zu erkunden und an mich selbst zu glauben. Selbstständigkeit, Selbstvertrauen und Individualität, sind Eigenschaften, auf die in der Montessori-Pädagogik besonderen Wert gelegt wird. Zufällig sind sie aber auch genau die Eigenschaften, die heute an weiterführenden Schulen aber auch auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. 

Beenden möchte ich meinen Artikel mit einer kleinen Anekdote. Kurz vor meinen Abiturprüfungen hatte ich ein Gespräch mit einer Lehrerin, die der Montessori Pädagogik kritisch gegenüber stand. Wie so oft war ich mit dem Argument konfrontiert, Montikinder hätten besondere Probleme, ihren Platz in der „echten“ Welt zu finden und mit dem Leistungsdruck unserer Gesellschaft umzugehen. Als ich sie darauf hinwies, dass ich das beste Beispiel sei, dass diese Logik fehlerhaft ist, bezeichnete sie mich als einen Einzelfall. Daraufhin zählte ich ihr all die Montikinder auf, die in den letzten Jahren besondere Leistungen an unserem Gymnasium erzielt hatten, egal ob doch sehr gute Abiturergebnisse, inner- oder außerschulisches Engagement, bis das Einzelfall-Argument einfach nicht mehr zog. Die Statistik ist eindeutig. Allein in meinem Jahrgang waren zwei von drei 1,0er Abiturient*innen Montikinder und auch die anderen schnitten gut oder sogar sehr gut ab. 

Meine Grundschulzeit wird immer ein Teil von mir bleiben. Eine Zeit voller glücklicher, unbeschwerter Erinnerungen. Eine Zeit, die mich nicht besser auf mein zukünftiges Leben hätte vorbereiten können. Heute kann ich nur noch sagen: Danke Ibis Grundschule Wittenberge!

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